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Doppelerfolg in Sao Paulo

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel Laktat in meinen Beinen gespürt habe. Eine Wettkampfbelastung von 3:50min, crazy, das ist nicht einmal ein 1500m Lauf. Und es ging nur nach oben, steil nach oben. 673 Stufen und 30 Stockwerke. Ab Stockwerk 5 konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. "2 Stufen auf einmal“, war das Mantra, das mich Stück für Stück dem Heliport entgegen brachte. Oben angekommen versagten mir fast die Beine. Was für ein krasses Gefühl. Den herrlichen Ausblick über die 20,5 Millionenmetropole Sao Paulo konnte ich noch gar nicht richtig genießen. Dafür kribbelte es zu sehr in meinen Beinen. Und jetzt weiß ich auch, wie sich das sogenannte „Treppenhaus-Husten“ anfühlt, das ich von Thomas kenne. Das kommt durch die trockene Luft bei der Belastung. Wir wurden im Einzelstart alle 90s den Abril Tower hochgejagt. Das heißt, ich wusste nicht, wie schnell die anderen Frauen sind, "volle Kraft voraus“ lautete also mein Motto. Am Tag zuvor habe ich mit Thomas noch Techniktraining im Treppenhaus gemacht, damit ich nicht nur die Beine nutze, sondern auch meine Arme, um mich am Geländer nach oben zu ziehen. Am Ende hatte ich 57s Vorsprung vor der Italienerin Cristina Bonacina. Thomas knackte zwar seinen eigenen Streckenrekord um 2s, doch der Pole Piotr Lobodzinski war noch einmal 5s schneller (2:54min). Nach dem Wettkampf hieß es für mich erneut die Laufschuhe schnüren. 35min Laktat aus den Beinen laufen, denn ich wollte schon am nächsten Morgen wieder an der Startlinie stehen. Dazu später mehr. Beine einigermaßen locker, nun waren meine Energiespeicher an der Reihe. Unser ausgewähltes Ziel: ein typisches brasilianisches Steakhouse. Großartig. Die können nicht nur Fleisch in allen Variationen, sondern auch Schokokuchen mit flüssigem Kern, Vanilleeis und Sahne :-)

Nun zurück zu meinem zweiten Start für das Wochenende. Als ich mir am Freitag im Mc Donalds ein Mc Flurry Ovomaltine geholt habe (by the way - das beste Mc Flurry ever), habe ich ein Plakat hängen sehen, wo ein 5km Frauenlauf angekündigt wurde. Der findet zeitgleich in vielen Ländern Südamerikas statt. Startzeit: 7.30h. Da wollte ich unbedingt dabei sein. Mit 11.000 Läuferinnen durch Sao Paulo laufen, was für eine coole Sache. Also habe ich mir am Samstagabend vom Restaurant Banana-Cake einpacken lassen, den ich morgens um 5.00h gegessen habe. Mit dem Taxi ging es um 6:10Uhr zum Startbereich. Auf dem Weg dorthin sehe ich eine Uhr, die 7:23Uhr anzeigt. Was? Ich schaue auf meine Uhr: 6:23Uhr. Kurzes Durchatmen. Doch irgendwie kommt es mir komisch vor. Also frage ich den Taxifahrer nach der Uhrzeit. Verdammt, heute Nacht wurde die Uhr in Brasilien eine Stunde vorgestellt. Noch 5min bis zu meinem Start. der Taxifahrer gibt alles, ich springe aus dem Auto und renne zum Startbereich. Thomas bezahlt den Taxifahrer und rennt hinter mir her. Ich sehe schon eine Masse von pinken Shirts die Straßen erstürmen. Mist, 2:48min zu spät. Ich springe über das Absperrgitter, überquere die Startlinie und beginne im Slalomlauf meine Aufholjagd. Ich ziehe an hunderten pinken Shirts vorbei und von Kilometer zu Kilometer wird das Feld lichter. Ich schaffe es nicht ganz, alle Frauen einzusammeln, aber in 17:38min laufe ich mit 2min Abstand die schnellste Zeit des Tages. Ein tolles Erlebnis und cooles Bild, so viele laufende Frauen auf einem Fleck zu sehen. Der Trip nach Sao Paulo hat mir noch mehr Eindrücke von Brasilien gegeben, dem Land, in dem in zwei Jahren die Olympischen Spiele stattfinden werden. Diese werden mich die nächsten Tage, Wochen und Monate begleiten und mich an mein großes Ziel erinnern.

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