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Der Start unseres Traums

Von Rimmels nach Rio. Hätte uns jemand im Januar 2007 eine Geschichte von zwei Läuferinnen erzählt, die mit 17 Jahren zu laufen begonnen haben und neun Jahre später bei den Olympischen Spielen für Deutschland den Marathon laufen, wir hätten gelacht und gefragt, ob es den Film irgendwo zu kaufen gäbe. Klingt nach einer coolen Erfolgsstory. Wir waren schon immer sportbegeistert gewesen, doch mit Leistungssport hatten wir wenig zu tun.

Im Februar 2007 kamen wir durch einen Vortrag von Joey Kelly zum Laufen. Wir liefen mit viel Freude und Spaß, doch wir hatten keine Ambitionen, das strukturierter mit Plan und Trainer zu machen. Das änderte sich im Herbst 2007, als ein Trainer aus Kassel auf uns zukam, nachdem wir den Lollslauf Halbmarathon in Bad Hersfeld gewonnen hatten. Vielmehr hat er ein paar Läufer-Jungs aus der Rhön nach Rimmels geschickt, damit diese uns zwei Mädchen in die Trainingsgruppe holen. Einer der Jungs war Julian Flügel, der wie wir auch in Rio für Deutschland den Olympischen Marathon laufen wird.

Die Olympischen Spiele im Sommer 2008 in Peking hatten wir noch mit einem ganz anderen Auge geschaut: als Zuschauer vor dem Fernseher, als Fans und noch nicht als Leistungssportlerinnen. Die Faszination Olympia war bereits da, der Traum, Olympionike zu werden, ist erst in den folgenden Jahren entstanden. Geburtsstunde vom Traum Rio ist der 27. Juli 2012, der Tag der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London. Adidas hatte uns ins Stadion eingeladen, nachdem Anna bei ihrem ersten Marathon um nur 14Sekunden die Norm verpasst hatte und nicht nominiert worden war. Wir sehen Paul McCartney, der die ersten Akkorde von Hey Jude in die Tasten haut und das ganze Stadion singt mit. Auch wir. Wir lassen uns mitreißen und träumen. Überwältigt von den Eindrücken und mit Gänsehaut am ganzen Körper sehen wir die Nationen einlaufen. Und dann auch die Deutsche Mannschaft, Hockeyspielerin Natascha Keller trägt die Fahne. Was muss das für ein Gefühl sein dort mitzulaufen? Das möchten wir auch erleben. Nicht irgendwann, sondern 2016. Dann finden die Spiele in Rio de Janeiro, Brasilien, statt und wir möchten für Deutschland gemeinsam den Marathon laufen.

 

 

Nun vier Jahre später haben wir uns für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert. Drei Startplätze gibt es für uns Frauen und wir belegen zwei davon. Wir sind mega stolz, glücklich und voller Vorfreude. Damit geht ein großer Traum von uns in Erfüllung. Nach der Nachricht zur Nominierung bekamen wir die Info, dass das Marathon-Team plant, am 10. August zu fliegen. Der Marathon ist am 14. August und am 5. August findet bereits die Eröffnungsfeier statt. Man sei zu dem Entschluss gekommen, dass dies die beste Option für die Athleten sei. Das würde bedeuten, dass wir nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen und ins Stadion einlaufen dürfen. Die Gründe sind vielfältig und für uns wenig verständlich. Warum fragt man nicht uns Athleten was wir für die beste Option halten? Schließlich waren wir letztes Jahr schon mal in Rio beim Stadt Marathon, um die Bedingungen vor Ort kennenzulernen.

Wir möchten unbedingt an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Wir haben mit dem Hockeyspieler Moritz Fürste gesprochen, Doppelolympiasieger, der bereits in Peking 2008 und London 2012 bei den Olympischen Spielen dabei war. Für ihn sei die Eröffnungsfeier eine große Motivation, die so viel Energie und Power für das ganze Turnier gäbe. Das ändere sich auch nicht bei den dritten Spielen. Für uns sind die Olympischen Spiele der große Traum, und die Eröffnungsfeier und der Einmarsch mit der Deutschen Olympia Mannschaft ist ein Teil davon. Das ist einer der Gründe warum wir uns intensiv dafür eingesetzt haben, bereits am vierten August nach Rio fliegen zu dürfen und am fünften August der Deutschen Fahne ins Olympiastadion von Rio zu folgen.

Außerdem waren wir letztes Jahr bereits in Rio beim Stadtmarathon, um zu wissen, wie es sich anfühlt in Rio zu laufen. Das ist ein ganz anderes Laufgefühl, der Körper schwitzt deutlich mehr als wenn es in Deutschland Anfang 20°C hat. Daher braucht unser Körper ein paar Tage, um sich an die Wetterbedingungen in Rio zu gewöhnen. Zudem gibt es eine Zeitverschiebung von fünf Stunden. Für uns war die Entscheidung klar und letzte Woche haben wir die Bestätigung unserer Flüge bekommen. Am Donnerstagabend, 4. August, steigen wir in Frankfurt in den Flieger LH501 mit der Destination Rio. Rio ist in den letzten vier Jahren das Synonym für unseren Sportlertraum gewesen und der wird nun Wirklichkeit. Wir sind bereit und voller Vorfreude auf das größte Sportereignis der Welt.

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