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Sieg beim Hannover Marathon

2.Platz in 2:30:35h. Das war der HAJ Hannover Marathon 2016. Bis heute. Nun weiß ich, dass ich die Gewinnerin bin. Die IAAF hat die Frau, die als erste die Ziellinie überquert hatte, positiv auf Salbutamol getestet, sie für drei Monate gesperrt und ihr Sieg in Hannover aberkannt. Krass, jetzt habe ich gewonnen. Und doch fühlt sich so ein Sieg anders an, als wenn man mit dem Zielband in der Hand erschöpft hinter der Ziellinie steht. Nach meinem Sieg auf den letzten 300m beim Wien Marathon 2014 ist dies somit der zweite Sieg, auch auf dem letzten Kilometer. 600m vor dem Ziel bin ich am 10. April 2016 an der Zweitplatzierten vorbei. Gekämpft um jeden Meter, gerungen um jede Sekunde. Nicht nur für Platz zwei, sondern wie ich jetzt weiß, für den Sieg.

Es wäre ein weiterer magischer Moment in meinem Läuferleben gewesen. Diesen Moment, wenn ich durch das Zielband laufe, werde ich nie zurück bekommen, nie erleben und auch nie davon erzählen können. Dafür kenne ich nun das Gefühl einen Marathon im Bett zu gewinnen. Denn genau da hat mich heute Nacht die Nachricht aus Hannover erreicht.

Es ist schon ein besonderer Zufall, dass diese Nachricht jetzt kommt. In der Woche nach dem Olympischen Marathon. Ein Marathon, der einer meiner härtesten körperlichen Erfahrungen war. Bei dem es dennoch aufgrund unseres Zieleinlaufs Zweifel gibt, ob Lisa und ich alles gegeben hätten. Dass es uns nicht erlaubt sei, den Zieleinlauf nach 42,1km Marathonkampf gegen sich und die Bedingungen zusammen zu erleben. Wir hätten uns die letzten 95Meter nicht die Hände reichen dürfen, sondern hätten den Zieleinlauf aussprinten müssen und dabei keine Zehntel für diesen einmaligen Moment liegen lassen dürfen. Wir haben uns die Hand gereicht, anstatt die Ellenbogen auszufahren. Sind Hand in Hand ins Ziel gespurtet. Wir haben nicht nachgedacht, sondern aus unserem Gefühl heraus gehandelt. In Hannover hatte ich keine Chance den Zieleinlauf auf Platz 1 zu feiern. In Rio habe ich die letzten Meter gefeiert. Für mich war es ein Sieg über mich selbst bei einem Marathon, der mir körperlich alles abverlangt hat. Und wenn ich mir nach 2:45h, was eine völlig hinter jeder Erwartung liegende Zeit ist, mir die letzten 95 Meter für mich und Lisa nehme, dann ist das mein Statement für meinen Sport. Ich liebe Laufen, bis zum letzten Meter.

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