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Neue Wege

Ich sitze in Tokio in einem kleinen Appartement unweit des Sumida Rivers umgeben von unzähligen Hochhäusern, Erdnüssen links von mir und eine geschnittene Kaki rechts von mir. Gestern bin ich in der japanischen Hauptstadt gelandet. Es ist ein Zwischenstopp nach Neuseeland, wo ich den Winter über trainieren werde. Den 6tägigen Zwischenstopp nutze ich, um mich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen und gleichzeitig, um erste Eindrücke von Tokio zu bekommen. Die Stadt, in der in 2020 die Olympischen Spiele stattfinden werden.

Es ist 20Uhr, seit einigen Stunden bereits dunkel wobei es in der 38Millionen Metropole Tokio nie wirklich dunkel wird. Dafür ist es erstaunlich leise, ich habe das Gefühl, die Straßen nehmen den Verkehrslärm auf und auch die Menschen laufen ruhig durch die Straßen, selten sieht man sie an ihrem Smartphone reden. Insgesamt wirkt alles sehr geordnet und sauber. Die Menschen sind sehr hilfsbereit, sobald ich stehen bleibe und mich umschaue, werde ich gefragt, wohin ich gehen möchte. Die Namen der U-Bahn Stationen klingen ungewohnt und irgendwie ähnlich, doch das Farbsystem der 13 verschiedenen U-Bahn Linien hilft, sich zurechtzufinden. Mit täglich 7,8Mio Fahrgästen ist es das am stärksten in Anspruch genommene U-Bahn Netz der Welt. Doch das fällt nicht auf, alles läuft sehr geordnet, ob Einstiegslinien am Bahnsteig oder unzählige Arbeiter, die mich um Baustellen herumleiten, beste Organisation überall. Die Züge sind absolut pünktlich, kein Gedränge am Bahnsteig und das auch zur Rush-Hour.

Laufen lässt es sich in Tokio erstaunlich leicht und ungestört entlang der zwei großen Flüsse Sumidagawa und Arakawa. Die Uferwege sind nachts sogar beleuchtet. Wenn man die Augen offen hält, kann man schon die ersten Hinweise auf die Olympischen Spiele 2020 finden.

Am internationalen Flughafen Haneda wird jeder Besucher direkt hinter der Zollkontrolle von einem großen Olympiaplakat begrüßt und auf manchen Taxen sieht man das Logo Tokyo2020 aufblitzen. Die Sportstätten sind gerade am Entstehen, auch das Olympische Dorf. Das habe ich mir heute angeschaut bzw. die riesige Baustelle, wo es gerade entsteht.

Diese Eindrücke werde ich am Sonntag mit in den Flieger in die nächsten Trainingsmonate in Neuseeland nehmen. Noch einmal 11h Fliegen, 4h Zeitverschiebung und dann habe ich mein Winterziel erreicht. Im neuseeländischen Sommer werde ich die nächsten Wochen über tausend Kilometer laufen und mich mit meinem Trainer Thomas Dold auf meinen nächsten Marathon vorbereiten.

Meist gibt es uns nur im Doppelpack und diesen Winter gehen Lisa und ich neue Wege. Lisa wird, wie ich im letzten Winter, in Deutschland sein und sich einige Male mit Skiern unter den Füßen fortbewegen. Ihr Körper ist leistungsfähig doch die Leistung bleibt im Training trotzdem immer wieder aus. Daher hat sie sich entschieden, an ihrem mentalen Zustand zu arbeiten. Nicht nur der Körper sondern auch der Geist muss leistungsfähig sein, um Spitzenleistungen zu erzielen. Und das geht nur behutsam und mit Weitsicht. Ein japanisches Sprichwort lautet: Eile mit Weile. Isogaba maware.

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