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さようなら, Auf Wiedersehen Tokio!

Auf meinem Weg ins Trainingslager nach Neuseeland habe ich einen Zwischenstopp in Tokio gemacht, dem größten Ballungsraum der Welt. 37 Millionen Menschen leben in der Metropolregion und 9,5Millionen direkt in Tokio und für sechs Tage war ich eine von ihnen. Ich, die in einem 300 Einwohner Dorf geboren und aufgewachsen bin und das Gefühl habe, schon mit meinem jetzigen Wohnort Gengenbach (7000 Einwohner) in einer größeren Stadt zu wohnen. Ich fühle mich in einer Stadt am Wohlsten, wenn ich direkt von der Haustür aus loslaufen kann, ohne unzählige Ampeln oder Kreuzungen zu überqueren. Dementsprechend haben wir unsere Unterkunft gewählt. Wir, dazu gehört mein Trainer Thomas Dold, der mich sowohl nach Japan als auch ins Trainingslager nach Neuseeland begleitet. Er koordiniert mein Training, hat unsere komplette Reise organisert und wird auch etliche Kilometer mitlaufen.

Geflogen sind wir Sonntagabend, 3.12. von Frankfurt nach Tokio. 11h Flug und 8h Zeitverschiebung. Die Zeitverschiebung habe ich die ersten drei Tage gemerkt, mein Körper hat sich irgendwie nicht im Hier und Jetzt gefühlt. Entweder war er müde, obwohl ich gerade erst geschlafen hatte oder ich war hellwach, obwohl es doch eigentlich mitten in der Nacht war. Der Vorteil an unserem kleinen Zimmer in Tokio war, dass ich immer nur einen Schritt gehen musste, um im Bett zu landen. Die Wohnungsgröße ist für Tokio normal, schließlich verbringt man dort auch kaum Zeit. Entweder man arbeitet oder man schläft.

 

Laufen lässt es sich in der Millionenmetropole Tokio erstaunlich gut. Es gibt zum Beispiel eine Runde mitten in der Stadt um den Kaiserpalast, die ziemlich genau 5km lang ist und bei der man keine einzige Straße überqueren muss und somit ungestört laufen kann. Das hat schon etwas, an so einem historischen Ort seine Kilometer zu laufen. Auf der einen Seite die geschwungenen ziegelgedeckten Gebäude des Palastes und auf der anderen Seite die Stadt Tokio mit dem Nationaltheater, ihrer mächtigen Skyline und unzähligen Wolkenkratzern. In manchen Bereichen kommen einem Touristenströme entgegen, durch die man sich seinen Weg suchen muss. Doch das stört auf dieser Strecke wenig, sie ist schließlich mitten in Tokio bei der Haupt Touristenattraktion. Insgesamt sehe ich nur wenige westliche Touristen, es sind vor allem Südkoreaner, Chinesen und vor allem Japaner, die mir entgegen strömen. Japaner sind begeisterte Inlandstouristen, das führt dazu, dass Bus- und Bahnnetze bis in kleine Ortschaften reichen und in jeder Stadt befindet sich neben dem Bahnhof ein Tourismusbüro.

 

Den Touristenströmen am Kaiserpalast kann man durch günstige Trainingszeiten umgehen, früh morgens oder spät abends. Ungestörter lässt es sich am Arakawa River imNorden Tokios laufen. 35km mit Kilometerschildern nach jedem Kilometer und Toiletten sowie Trinkwasserstationen, der perfekte Ort für lange Intervalle oder Tempoläufe. Der Fluss lässt sich sehr gut mit der U-Bahn erreichen. Wir sind mit der U-Bahn bis zur Endstation gefahren und dann 28km den Fluss entlang zurück gelaufen, bis wir mit der U-Bahn erneut die letzten Stationen zu unserer Unterkunft gefahren sind. Auf der Laufstrecke kommen einem andere Läufer, Radfahrer und Spaziergänger entgegen. Allerdings sind die geteerten Wege so breit, man kann entweder oben auf dem Damm laufen oder unten neben dem Fluss, dass man ausreichend Platz zum Laufen hat.

Wenn ich in einem anderen Land bin, schaue ich immer, was dort gegessen wird und passe mich an. Reis zum Frühstück? Ein bisschen habe ich getrickst, denn morgens brauche ich süßes Frühstück. Also gab es Reis im Porridge-Style mit Sojamilch aufgekocht, Bananen, Zimt und Erdnüssen. Essen gehen in Tokyo ist im Vergleich zu den Lebensmittelpreisen günstig, so fern man nicht italienisch essen geht. Allerdings muss man ja auch nicht nach Japan fliegen, um Pizza zu essen. Die ist zwar sehr lecker, hat allerdings die Größe einer Vorspeise. Mein Favorit ist Sushi. Ich habe noch nie so zarten Fisch gegessen, den musste ich nicht kauen sondern der ist auf meiner Zunge zergangen. Das Gefühl kenne ich sonst nur von Schokolade. Zu Sushi gehört nicht nur Fisch sondern sehr lecker fand ich auch Tamago. Das ist ein gerolltes mehrschichtiges Omelett, das mit Reiswein, Sojasoße und Zucker gewürzt und auf Reis „geschnürt“ wird. Der eingelegte Ingwer zum Neutralisieren, der zum Sushi gereicht wird, schmeckt so lecker, dass ich mich ständig neutralisiert habe. In Japan wird in jedem Restaurant automatisch Wasser gereicht und man wartet nur wenige Minuten aufs Essen. Das ist perfekt, vor allem wenn man hungrig vom Training kommt.

Besonders beeindruckt hat mich Shibuya, das Viertel für junge Leute, wo es nur so an Menschenmassen wimmelt. Bekannt ist Shibuya für seine Kreuzung, an der bis zu 1Mio Menschen pro Stunde die Straßenseiten wechseln. Das ist ein wildes Spektakel, das ich so noch nicht gesehen habe. Für mich ist es unbegreiflich, woher die ganzen Menschen kommen.

 

Tokio ist eine atemberaubende Stadt, doch die Luft ist erstaunlich gut in dieser Weltmetropole. Ich bin begeistert, wie gut es sich hier laufen und trainieren lässt.

 

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