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Ich laufe wieder

Von einen auf den anderen Meter lahmgelegt und nun laufe ich wieder. 9 Wochen später.

Die Vorgeschichte

Gut zwei Wochen vor dem Tokyo Marathon Mitte Dezember in Neuseeland konnte ich nach meiner letzten langen intensiven Einheit vor dem Marathon plötzlich nicht mehr laufen. Und zwar gar nicht. Die Trainingseinheit lief noch super, ich wollte mich auslaufen und plötzlich konnte ich auf meinem rechten Fuß nicht mehr auftreten. Ich hatte große Schmerzen in den Beinen. Nicht im Fuß, sondern in den Oberschenkeln. Wo genau, konnte ich gar nicht lokalisieren. Nach 5 min Rumhumpeln habe ich es aufgegeben. Das Auslaufen und die lockere Einheit am Nachmittag wurden gestrichen. Noch dachte ich, dass ich am nächsten Morgen vielleicht wieder laufen könne. Das Aufstehen aus dem Bett hat mir aber schon ganz deutlich gezeigt, dass ich auch an diesem Tag nicht laufen werde. Was war da los? Meine Muskeln waren so hart wie Drahtseile. Ich hatte noch nie so viel Spannung auf meiner Muskulatur. Spannung von den Muskeln nehmen und locker massieren. Das war ein Kraftakt, der nicht nur für mich schmerzhaft war.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die nächsten Tage bis zum Tokyo Marathon waren vor allem von Hoffnung und Therapie geprägt. Ich wollte mein großes Ziel nicht so einfach aufgeben. Ich war topfit und bereit für den Marathon. Nur mein rechter Oberschenkel hat das irgendwie anders gesehen. Auch der tägliche Besuch beim Chiropraktiker in Neuseeland und Physiotherapie beim Therapeuten von Wilson Kipsang in den Tagen vor dem Marathon in Tokyo hat nur zur Besserung aber nicht zur Genesung beigetragen. Die letzte Hoffnung erlischte wenige Kilometer nach dem Startschuss. Ich kann nicht laufen. Fertig aus. Nach 4km stand ich neben der Strecke.

Diagonse: Tractus-Syndrom.

Und nun? Zurück nach Deutschland, MRT und hoffen, dass ich meine Form aus Neuseeland noch irgendwie nutzen kann. Kein Ermüdungsbruch. Erleichterung? Zuerst ja, doch in den nächsten Tagen und Wochen realisiere ich, dass ein Bruch greifbarer ist als eine Muskelverletzung. Meine Diagnose lautete: Tractus-Syndrom. Ein hartnäckig entzündeter rechter Oberschenkelmuskel. Erstmal Nichtstun. Kein Laufen, kein Radfahren, kein Schwimmen. 

 

Therapie in München und Berghaupten

Ich bin zwei Mal knapp eine Woche in München, in dieser Zeit habe ich mindestens 1x täglich Physiotherapie bei Jan Frieling (Fit im Tal), zudem in Absprache Behandlungen beim ehemaligen Mannschaftsarzt vom FC Bayern München Dr. Braun und bei Dr. Murrisch am Schliersee. Mein rechter Oberschenkel ist eine Herausforderung, die viele Menschen gleichzeitig in Trapp hält. Die Genesung erfolgt wie ein Aktienkurs. Ein ständiges Auf und ab mit Tendenz nach oben. Abgesehen von meinen Aufenthalten in München bin ich in Behandlung im TopLife Gesundheitszentrum in Berghaupten. Mein Physiotherapeut Michel Roche steht wiederum in Austausch mit dem Physiotherapeut und den Ärzten aus München.

Alternativtraining und erster Laufversuch

Nachdem ich im Alltag schmerzfrei war, habe ich mit Alternativtraining begonnen. Schwimmen, Aquajoggen, Yoga und Radfahren. Das ging gut und so konnte ich meinen Herz-Kreislauf wieder in Schwung bringen. Der erste Laufversuch Mitte März war ein Desaster. Nach 3min abgebrochen und hinterher wieder Schmerzen beim normalen Gehen und mega Spannung auf der Muskulatur. Doch das Positive, die Spannung ließ sich dieses Mal deutlich schneller lösen. Das eigentliche Problem ist nicht der Oberschenkel, der kann im Prinzip nichts dafür. Ausgelöst wird die Spannung durch die Lendenwirbelsäule und eine Verschiebung meines Iliosakralgelenks. Laufschuhe also wieder zurück in den Schuhschrank und mich weiter in Geduld üben.

Die ersten Meter schmerzfrei

In der Zwischenzeit bin ich bis zu 470km die Woche geradelt, Bergintervalle gefahren und habe etliche Höhenmeter hinter mich gelegt. Doch nichts ist vergleichbar mit Laufen. Auf dem Alter G, einem Anti-Gravitationslaufband, konnte ich Ende März dann mit verringertem Körpergewicht und somit verringerter Belastung meine ersten Laufschritte schmerzfrei machen, ähnlich wie im Wasser. Das war ein cooles Gefühl. So sollte es sich auch wieder beim normalen Laufen anfühlen. Und nun ist es endlich soweit. Ich bin die ersten Meter gelaufen. 10min für den Anfang und das fühlt sich riesig für mich an.

Wie es bei mir weitergeht? Ich plane erst, sobald ich wieder lange und schnell laufen kann. Ich weiß nicht, wie lange ich brauche, um wieder voll leistungsfähig zu sein. Doch ich weiß, den wichtigsten Schritt habe ich nun gemacht. Den ersten.

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