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Laufpause (Anna)

Ödem im Becken. Beine hoch statt Marathonvorbereitung

Die Pressemeldung für meinen Start beim BMW BERLIN-MARATHON ist gerade fertig getippt. Wenn ich sie geschrieben hätte, wäre die Tinte noch frisch. Doch bevor sie irgendjemand zu lesen bekommt, findet sie ihren Platz im Papierkorb. Ich laufe nicht. Nicht den BMW BERLIN-MARATHON, nicht die nächste Woche, nicht den nächsten Monat. Geschwindigkeit ist ein wichtiger Faktor in meinem Beruf und nun bin ich von der Geschwindigkeit von Marathonvorbereitung zu kompletter Laufpause selbst überrollt worden.

Beginn
Letzten Sonntag habe ich meinen geplanten 29km Lauf nach wenigen Metern abgebrochen, weil ich nicht rund gelaufen bin. Ich hatte keine Schmerzen, doch ich kam mir vor, als habe ich einen 8er im Laufrad. Schon am Morgen beim Aufstehen habe ich mich irgendwie komisch gefühlt, die Energie war nicht so da, wie ich sie sonst vor so einem Lauf habe. Ich liebe die langen Einheiten, doch irgendwas hat mich beklemmt, doch was konnte ich nicht sagen. Somit habe ich die Laufschuhe geschnürt und nach weniger als 2km bin ich zurück gewandert. Ich wollte nicht mal zurück traben. Mein Körper wollte nicht laufen. Noch habe ich mir keine großen Gedanken gemacht, schließlich hatte ich keine Schmerzen, es hat sich unrund angefühlt aber mehr auch nicht. 

Diagnose
Am Montag bin ich dann direkt zum Röntgen und das Lauftraining haben wir mit Schwimm- und Radtraining ausgetauscht. Das Röntgenbild hat gezeigt, dass kein strukturelles Problem vorliegt. Per se erst mal positiv und gleichzeitig ließ es offen, warum ich nicht rund laufe. Also bin ich nach München, um ein MRT machen zu lassen. Irgendwie hatte ich ganz schön Bammel davor. Eine innere Stimme hat mir gesagt, dass es nicht nur ein muskuläres Problem ist. Die 20min in der Röhre kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Keine Musik, keine Ablenkung, lediglich das Surren des MRT Gerätes und das Runterzählen der Sekunden, bis ich endlich Gewissheit bekomme. Die konnte mir Prof. Dr. Mack ziemlich schnell geben, und zwar eine ernüchternde Gewissheit. Ein T1 Ödem im Becken, Vorstufe zum Ermüdungsbruch mit bereits Auswirkung auf das Gewebe rund herum. Zack. Knallhart hat es mich erwischt.

 

 


Bedeutung

"Wann steht dein nächster Wettkampf an?" "BMW BERLIN-MARATHON am 16.September, mein Start sollte eigentlich diese Woche verkündet werden", murmel ich vor mich hin. 6 Wochen bis zum Marathon, wir benötigen 6 Wochen Laufpause. Da brauche ich keine Mathematikerin zu sein, um zu merken, dass die Gleichung nicht aufgeht. Was kann ich machen, dass es schneller verheilt? "Am besten nix", lautet die kurze und prägnante Antwort. „Je mehr Ruhe Sie dem Becken geben, desto schneller kann es heilen.“ Ich versuche immer die zwei Seiten einer Medaille zu sehen, alles bringt auch immer etwas Positives mit sich. Doch in manchen Momenten benötige ich all meine Fantasie, um etwas Positives zu finden. Dies war so ein Moment. Ich kann lachen doch es ist eher ein ungläubiges Lachen, was das Leben für Überraschungen für mich parat hält.

Ursache
Warum jetzt? Warum so plötzlich? Es lief doch gerade wieder so gut. Und vor allem, schon wieder?? Die Ursache für so ein Ödem kann vielschichtig sein. Klar, ich trainiere an der Belastungsgrenze, doch das alleine lässt noch kein Ödem entstehen. Belastung gepaart mit einem Virus, eine Fehlbelastung, eine ungewohnte Belastung... stoffwechsel- oder auch hormonell bedingt. Kurzum, viele Wege können zu einem Ödem führen. Um dem Becken möglichst viel Entlastung zu geben, werde ich erst mal mit Krücken unterwegs sein, Arm- statt Beintraining. „Je strikter Sie sich daran halten, desto früher können Sie wieder loslegen.“

Blick nach vorne
Eine erneute Laufpause für mich. Dies fühlt sich gerade sehr schlecht an doch wer bin ich, die abschätzen kann, was diese Zwangspause im Zeitraum von fünf Jahren bedeutet? Es wird einen nächsten Marathon geben und es soll noch viele weitere Marathons geben. Ich möchte schnell laufen, dafür brenne ich. Und dafür bin ich auch bereit, solche Zwangspausen anzunehmen. Solche Momente helfen, sich Gedanken zu machen, zu hinterfragen, sich neu aufzustellen oder Bewährtes beizubehalten. Ich hätte liebend gerne auf die Verletzung verzichten können doch jetzt mach ich das Beste daraus. Wie würde Hannibal sagen „Ich glaube nicht an Zufälle, ich glaube, dass es für alles, was zufällig passiert, einen Plan gibt.“

 

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