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Essen

So wie Picasso seine blaue und rosa Periode hatte, ändern sich auch immer wieder unsere Essensvorlieben. Wir haben eine vegane, eine orangene, eine äthiopische oder französische, oder auch einfach nur eine Porridge-Phase. Was alle Phasen gemeinsam haben: wir verwenden frische und möglichst regionale Produkte.

Wir werden oft gefragt, ob wir Fleisch essen, Alkohol trinken und was wir von Nahrungsergänzungsmittel halten. Wir können nur aus unserer persönlichen Erfahrung sprechen. Uns interessiert das Thema Ernährung sehr, wir lesen viele Bücher, hören Podcasts und sprechen mit anderen Athleten. Letztendlich ist es aber unser Körper und der weiß am besten selbst, womit er am besten zurecht kommt, vorausgesetzt wir hören auch auf ihn. Was uns gerade gut tut, kann sich nämlich immer mal wieder ändern. Es gibt Wochen, da ernähren wir uns nahezu vegan und Tage, vor allem wenn wir bei unseren Eltern sind, wo wir gerne auch Eier essen und sonntags auch mal Hähnchen. Denn wir wissen was die Hühner zu essen bekommen haben, schließlich werden sie täglich zwei Mal von unserer Oma gefüttert und wir sehen auch, wie viel Auslauf sie auf der Wiese hinterm Haus bekommen.

Wir lassen regelmäßig unsere Blutwerte überprüfen, um zu sehen, dass unser Körper ausreichend mit allen wichtigen Mineralien und Vitaminen versorgt ist. Das klappt gut und wir müssen kaum etwas substituieren. Es gibt immer wieder Phasen im Jahr, wo wir Eisen, Vitamin D und Vitamin B12 zu uns nehmen. Den Rest bekommen wir ausreichend über unsere Ernährung.

Mengenmäßig essen wir wohl am meisten Gemüse, würde man die Kalorien mitbeachten, dann könnten Nüsse inklusive Nusscremes die Spitzenreiterposition einnehmen. Wir waren mal große Schokoladenesser und der Begriff groß bedeutet eher Wolkenkratzer-groß und nicht groß-groß. Das hat sich über einige Jahre so eingeschlichen, als Marathonläuferinnen haben wir einen enormen Energiebedarf und da unser Körper in den intensiven Trainingsphasen am Dauerverbrennen ist, steckt er das auch ziemlich gut weg. Wir haben deshalb ja nicht weniger Gemüse gegessen. Doch egal wie viel Energie wir benötigen, Zucker tut unserem Körper nicht gut. Punkt. Oder wie es unsere Oma ausdrücken würde: „Das kann man drehen und wenden wie man will, der Arsch bleibt immer hinten.“ Eine Tafel Vollmilchschokolade besteht zur Hälfte aus Zucker. Das ist schon sehr krass und wenn es nicht nur eine 100g, sondern eine 300g Tafel am Abend war, haben wir 150g Zucker zu uns genommen. Zucker fördert Entzündungen in unserm Körper und das ist genau das, was wir nicht wollen. Daher haben wir vor einigen Monaten drastisch unseren Zuckerkonsum reduziert. Dunkle Schokolade mit mindestens 85% Kakaoanteil ist und bleibt ein gutes Lebensmittel. Da spricht nichts dagegen, regelmäßig einen Riegel zu essen und manchmal darf es dann auch noch eine Tafel sein. Aber komischerweise ist das Verlangen dort meist nach ein, zwei Riegeln gestillt, denn was süchtig macht, ist vor allem der Zucker. Und der ist hier ja nur in einem geringen Anteil drin. Nichtsdestotrotz essen wir auch noch manchmal Schokolade und mit Schokolade meinen wir hier keine Bitterschokolade, sondern Weiße Schokolade oder eine Milchschokolade mit gesalzenem Karamell und Erdnüssen. Das gehört auch zu unserer Ernährung dazu, dass es nichts gibt, was wir überhaupt nicht essen. Für uns macht es einen Unterschied, ob ein Kuchen industriell hergestellt oder ob der Hefeteig von unserer Oma in der Küche geknetet wurde und dann erst mal einen halben Tag in der warmen Stube gehen konnte. Selbst gemacht bevorzugen wir immer gegenüber industriell gefertigt. Wir sind überzeugt davon, dass dann so viel Liebe in dem Essen steckt, dass wir das in irgendeiner Art von positiver Energie mit aufnehmen.

Alkohol. Alkohol ist für uns ein Genussmittel, das wir nur dosiert und nicht regelmäßig trinken. Abends ein Glas Rotwein oder im Biergarten ein Bier, das passt gut in unsere Ernährung. Wir trinken sehr selten härteren Alkohol und den nicht in der direkten Vorbereitungsphase eines Marathons. Denn Alkohol beeinflusst unseren Schlaf negativ. Unser Körper kann sich in der Nacht nicht so gut erholen, als wenn man nichts getrunken hat. Zwar fällt das Einschlafen oft leicht, doch meist wacht man dann nachts auf und kullert unruhig im Bett hin und her.

In Berlin findet einmal im Jahr die internationale Grüne Woche statt, die weltgrößte Messe für Ernährung. Bei mir gibt es manchmal eine orangene Woche und ich weiß, dass Anna diese farbige Phase auch hat. Das ist dann meistens im Herbst zur Kürbiszeit. Dann kochen wir einen großen Topf Kürbissuppe und damit toben wir uns in den folgenden Tagen aus. Ein leckeres Rezept für Kürbissuppe findet ihr hier.

Dann gibt es mittags Kürbissuppe und am Abend kochen wir z.B. Buchweizen und machen mit Hilfe der Kürbissuppe ein Kürbisrisotto daraus. Extra Gewürze dazu, ein paar Nüsse und Ziegenkäse oben drauf et voilà. Am nächsten Morgen gibt es dann z.B. Kürbis Porridge, indem wir mit etwas Kürbissuppe Haferflocken weich kochen. Mit etwas Joghurt, Beeren, Zimt und Nusscreme garnieren und fertig ist ein super leckeres Frühstück. Wir haben auch schon unseren Pancake-Turm mit Kürbissuppe belegt oder die Kürbissuppe extra gewürzt und als Dip für unser selbst gebackenes Sauerteigbrot bzw. Sauerteigbrötchen verwendet. Solche Spielereien machen uns Spaß und wir denken bei Dauerläufen schon über weitere Verwendungsmöglichkeiten nach. Der Vorteil ist, dass das Essen nach dem Training schneller zubereitet ist, wenn eine Hauptzutat bereits fertig im Kühlschrank wartet.

      

 

 

 

Die Porridge-Phase schneit oft im Winter in Zeiten großen Trainingsumfangs ins Haus. Eine Schale heißer Porridge wärmt nicht nur den Körper, sondern auch das Herz. Ein großer Topf an „Grundmasse“ kann einmal zubereitet werden, wovon man dann mehrere Tage essen kann. Die Basis kann klassisch mit Haferflocken sein, oder glutenfrei mit Buchweizenflocken, fancy mit braunem Reis oder einer bunten Mischung aus diversen Getreidesorten. Man könnte uns wohl auch als Porridge-Freaks oder netter ausgedrückt als Porridge-Spezialisten bezeichnen. Wir besitzen eine Haferquetsche, mit der wir unsere Körner frisch mahlen. Das funktioniert auch mit Dinkel, Buchweizen oder anderen Sorten. Die Flocken kochen wir mit Wasser auf oder legen sie über Nacht ein. Dann kommen manchmal Hafermilch, manchmal Kokos-Reis-Drink oder im Bircher-Style Sahne dazu. Wir verwenden lieber Leinsamen als Chiasamen, da diese nicht durch die halbe Welt geflogen werden müssen, um in unserer Schüssel zu landen. Und nährstoffmäßig schneiden sie ähnlich gut ab. Als deftige Variante garnieren wir das Porridge mit Ziegenkäse, Pastinakenbrei und Thymian. Oder wir setzen auf grün und fügen dem Porridge Grühnkohl hinzu. Haben wir Lust auf eine süße Variante, dann kochen wir Datteln mit auf und geben einen Esslöffel Kakao und etwas dunkle Schokolade bei. Wenn wir uns für ein Gericht entscheiden müssten, das wir nur noch essen dürften, dann wäre das wohl Porridge.  

     

Zurzeit befinden wir uns in einer Äthiopischen Phase. Das hängt womöglich auch damit zusammen, dass wir nächstes Jahr wieder für mehrere Wochen in das Land reisen, um zu trainieren. Äthiopische Phase bedeutet viele Linsen und Bohnen, viel Ingwer und Knoblauch, Gemüse wie Spinat, Blumenkohl und Karotten, viel Gekochtes und oft zu Brei verarbeitet, viele Gewürze und Sauerteigbrot. Außerdem gibt es in Äthiopien die traditionelle Kaffeezeremonie, zu der frisches Popcorn gereicht wird. Popcorn steht bei uns auch gerne mit am Tisch. Auch direkt zum Abendessen. Dann natürlich selbst gemacht, salzig, mit etwas Olivenöl und verschiedenen Gewürzen.

       

 

 

Wir kennen auch eine kulinarisch französische Seite in uns. Die kommt dann meistens nach einem großen Wettkampf in der Saisonpause zum Vorschein. Was diese Phase ausmacht? Dann gibt es morgens zum Café au lait auch mal gerne ein Croissant almond. Außen knusprig und innen dick gefüllt mit Marzipan. Sehr gehaltvoll und zum Dahinschmelzen. Schließlich haben wir beide Französisch studiert und da sollte man zumindest den kulinarischen Kontakt noch de temps en temps pflegen. Solch ein Tag wäre dann perfekt abgerundet mit etwas frisch gebackenem Brot mit toller Kruste, gesalzener Butter, diverse triefende Käsesorten, Weintrauben, dunkler Schokolade, Nüssen und ein Glas Rotwein. Kein Essen, das wir in intensiven Trainingsphasen haben würden, zumindest würden wir uns von diesen Zutaten nicht satt essen. 

Wie bei so vielen Sachen kommt es auch bei der Ernährung auf das Maß an. Wir halten wenig von Verboten, denn die befördern oft nur das Verlangen. Essen ist für uns Freude, Spaß, Gesellschaft. Lebenslust, Energielieferant und Kreativität. 

Für diejenigen, die sich einen roten Faden und eine Unterstützung beim Essen wünschen, um das persönliche Ziel besser zu erreichen, für die haben wir zusammen mit Wissenschaftlern der Sporthochschule Köln ein richtig cooles Ernährungsprogramm entwickelt. Mehr Infos findet ihr hier.

 

 

 

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