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Skilanglauf Trainingslager in Norwegen

Hei!

Meist ist es so, dass wir im Winter den kalten Temperaturen in Deutschland entfliehen und irgendwohin ins Trainingslager fahren, wo es warm ist. Dieses Jahr haben wir es umgedreht, wir sind im Dezember dorthin gefahren, wo es noch deutlich kälter als in Deutschland ist. Unser Ziel für den Dezember: Norwegen. Genauer Sjusjøen, ein norwegisches Skisportzentrum und Ortsteil der Gemeinde Ringsaker in der Provinz Hedmark und gleichzeitig auch Name des dortigen Sees. Die Ortschaft befindet sich ca. 15km nordöstlich von Lillehammer, das Städtchen, das selbst außerhalb der Skigemeinde ein Begriff sein dürfte. Sjusjøen hat auf der einen Seite nichts zu bieten und auf der anderen Seite alles, was unsere Sportlerherzen benötigen. Kein Restaurant, kein Café, kein Kleidungsgeschäft und dafür ein 2500km zusammenhängendes Loipennetz, ein Supermarkt und ein Skigeschäft. Und das Wichtigste überhaupt, wenn man ein Skilanglauftrainingslager plant, es gibt absolute Schneesicherheit. Wer sind unsere Mitstreiter hier in Norwegen? Das Skilanglauftrainingslager geht vom SSC Events Proteam aus, sportlicher Kopf unseres Teams ist Dieter Hogen, der auch gleichzeitig der Trainer der meisten Athleten ist. Neben Lisa und mir ist noch der österreichische Marathonläufer Valentin Pfeil mit von der Partie sowie Proteam Mitglieder Fabian Clarkson und Christina Gerdes. Dieter hat sich in der Woche vor dem geplanten Trainingslager mit meinem Trainer Dan Lorang getroffen und mit ihm die geplanten Trainingsinhalte besprochen, sodass Lisa und ich hier oben gemeinsam trainieren können.

Wie erreicht man Susjøen?

Wir sind nach Oslo geflogen und von dort mit dem Zug 1h40min weiter nach Lillehammer.
Oslo hat uns mit kühlen -9Grad empfangen. Am Bahnsteig saß eine doch sehr korpulente Taube und hat rhythmisch mit ihrem Köpfchen auf den Boden gepickt.

Was es dort zu essen gab, konnten wir nicht ausmachen, doch scheinbar scheint sie ihre Strategien zu haben, sonst wäre sie bei der Kälte nicht derart wohl genährt. Da fiel mir eine Bauernweisheit ein: „Je fetter Dachs und Vögel sind, desto kälter kommt das Christuskind.“ Ich wette auf sehr kalte Weihnachten in Norwegen.
Die Zugfahrt ist mega angenehm und schön, man kann die ganze Zeit einfach aus dem Fenster schauen und kommt aus dem Staunen nicht heraus, so atemberaubend schön ist die Landschaft, die an einem vorbei fliegt. In Lillehammer gibt es einen Bus nach Sjusjøen, der alle 1-2h fährt. Je nach Anreise muss man also ein bisschen warten, doch dank eines kleinen beheizten Ladens mit Kaffee und Snacks vergeht die Wartezeit sehr schnell. Bis nach Sjusjøen sind es zwar nur 15 Kilometer, doch auf verschneiten Straßen zieht sich die Fahrt auf eine halbe Stunde. In Sjusjøen haben wir dann unseren Hausschlüssel abgeholt und von dort ging es 2,4km durch den Schnee auf nur zum Teil geschobenen Wegen mit unserem Reisegepäck samt Skiausrüstung zu unserem Häuschen. In Sjusjøen gibt es keine Straßen sondern einfach nur Hausnummern, unser Ziel war Haus 1440. Wir haben die Koordinaten bei imap eingegeben und uns zum vermeintlichen Ziel führen lassen. Doch bei dem Häuschen hatte weder die Hausnummer gestimmt noch der Schlüssel gepasst. So standen wir bei Dunkelheit und Kälte mit viel Gepäck und noch anhaltender guter Laune gefühlt mitten im Nirgendwo. Wir haben die Koordinaten dann bei gmaps eingegeben und dort wurde uns ein ganz anderes Ziel angezeigt. Ob das nun richtig ist, wussten wir nicht, doch dort wo wir uns befanden, waren wir auf jeden Fall falsch. Gepäck aufladen und weiter ging es zum nächsten Ziel. Als wir nach weiteren 30min durch den Schnee vor dem nächsten Häuschen standen, war unser Optimismus leicht angeschlagen, das Häuschen sah nicht so aus, als wenn es zum Einzug bereit wäre. Die Veranda und die Tür waren mit Schnee zugeweht. Sollte das unser Häuschen sein? Mit viel Hoffnung und entschlossenen Schrittes sind wir über das Geländer der Veranda geklettert, da das Verandatürchen komplett zugeschneit war und haben uns zielstrebig den Weg bis zur Tür frei gemacht. Schlüssel ins Schloss, banges Warten und dann großer Jubel. Wir waren angekommen. Und noch besser, das Häuschen hat uns mit wohliger Wärme empfangen. Möge dieses Häuschen unser zu Hause für die nächsten 18 Tage sein.

Was essen wir hier?

Der nächste Supermarkt ist ca.2km zu Fuß entfernt. Wir haben kein Auto, das bedeutet für uns ein 4km Fußmarsch mit Rucksack an unserem trainingsfreien Nachmittag zum Einkaufscenter. Auf sechs Rücken geht einiges an Lebensmittel, damit wir aber für die nächsten drei Tage von allen benötigten Lebensmitteln ausreichend da haben, hilft uns eine Einkaufsliste, die wir stetig fortsetzen. Großen Bedarf haben wir an Kartoffeln, Süßkartoffeln, Linsen, Haferflocken, Hafermilch, Käse, Joghurt, Äpfel, Bananen und Orangen. Es steht quasi rund um die Uhr ein Topf Porridge bereit, der nicht nur morgens, sondern auch mittags und abends angerührt wird.
Lisa ist unsere Porridge-Beauftragte, und sorgt immer für ausreichend heißen Brei in unserer WG. Viel Training, niedrige Temperaturen und viel Sauerstoff, alles drei Faktoren, die für viel Appetit sorgen. Kartoffeln und Süßkartoffeln und Linsen-Humus gibt es fast immer vorgekocht, so dass wir abends immer recht schnell ein Abendessen fertig haben. Ingwer, Zwiebeln, Knoblauch und Kurkuma findet sich auch in den meisten Speisen wieder, um uns alle erkältungsresistent zu halten. Dafür sorgt auch der Schneeengel, den wir bei allen Witterungsverhältnissen morgens nach dem Aufstehen vor der Tür machen. Bei -14Grad ist der Weg vor die Tür zwar schon mit Überwindung verbunden, doch das Gefühl hinterher ist umso schöner.
 

Auf Fleisch verzichten wir hier, da sich ein Vegetarier und Flexitarier in unserer Gruppe befinden. Dafür gibt es zwei Mal die Woche norwegischen Lachs. Für den süßen Teil gibt es frisch gebackenen Carrot Cake, Banana Cake, Breakfast Cake oder Cookies.

Gesunde süße Snacks helfen, den ersten Hunger nach dem Training zu stillen und gleichzeitig keinen Mist in sich reinzuladen. Besonders angetan hat es uns der typische norwegische Braunkäse.

Das ist eine Mischung aus Kuh- und Ziegenmilch, diese wird erhitzt, sodass der Milchzucker karamellisiert und das gibt dem Käse einen außergewöhnlichen Karamellgeschmack und die typische braune Farbe. Sehr lecker schmeckt er auf einem Knäckebrot und mit Honig oder Marmelade bestrichen.

Was trainieren wir?

Die Sonne geht im Dezember kurz nach 9Uhr auf und ca. um 15Uhr unter. Durch die lange Dämmerung wirken die Tage dann doch etwas länger als wir vorab erwartet haben. Wir starten unsere Skilanglaufeinheit morgens um 9 Uhr und fahren somit in den Sonnenaufgang hinein.

Die ersten zwei Tage waren für Techniktraining bestimmt. Lisa und ich waren schon öfters im Winter langlaufen, doch nach einem Sommer ohne Skier müssen wir erst mal wieder reinkommen, damit wir in den darauffolgenden Tagen auch qualitativ gut trainieren können und nicht nur auf den Skiern umherrutschen. Das Training besteht vor allem aus drei Bausteinen, einer DL2 Einheit, einer Intervall Einheit und einem langen ruhigen Lauf. Die Einheiten variieren zwischen 2 und 3 Stunden und die lange Einheit geht bis zu 4,5 Stunden.

Den Morgen verbringen wir auf den Skiern, am Nachmittag geht’s dann nochmal zu Fuß los. Es gibt zwar keine freien Straßen, doch auf geschobenen Wegen mit passendem Schuhmaterial lässt es sich recht gut laufen. Nach der zweiten Einheit steht dann Kräftigung oder Yoga und Stretching an.

Unser Fazit zu Norwegen

Wir sind verliebt in das Land, die Sonnenauf- und -untergänge sind jeden Tag atemberaubend wunderschön. Sjusjøen ist ein Winterwonderland, das sich mal von seiner sehr rauen und harten Seite mit -14Grad und Wind zeigt, dann aber auch bei -2Grad und Windstille erstaunlich mild daherkommt und uns direkt wieder in der Tasche hat. Die Auswahl an Loipen ist riesig, wenig bevölkert und wird mehrmals täglich neu gespurt.

Wir werden definitiv wiederkommen.

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