...

Was ist dran an diesem Jetlag?

Neulich habe ich in einer Zeitschrift folgenden Satz gelesen „Jetlag is for amateurs.“ Zugegeben, das ist provokant formuliert und auch wir kennen das Gefühl, dass der Körper sich noch nicht ganz wohl in der neuen Zeitzone fühlt. Trotzdem versuchen wir, das nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu rücken. Befasst man sich mit den Jetlag-Symptomen und liest ausführlich darüber, wen wundert es dann, wenn man diese auch bekommt. Self fulfilling prophecy. Daher wechseln wir auch elegant das Thema, wenn wir nach einem Flug auf Müdigkeit angesprochen werden. Oder antworten kurz mit „passt schon“ oder „kaum“. Erwarten wir einen Jetlag, wird er auch kommen. Erwarten wir ihn nicht und präparieren uns zeitgleich bestmöglich, dass er kaum eine Chance hat, werden wir auch weitgehend verschont bleiben.

Was machen wir schon hier in Deutschland?
Wir versuchen möglichst gesund und erholt in den Flieger zu steigen. So ist unser Körper am leistungsfähigsten und passt sich am besten an. Am Tag der Reise steht nur ein lockerer Lauf an, keine Tempoeinheit mehr. Das machen wir auch, damit die Muskeln entspannt sind und durch das Reisen und lange Sitzen keine Verletzung kommt. 

In vielen Ratgebern liest man, dass man bereits zu Hause mit der Zeitverschiebung beginnen kann. Das machen wir nicht. Neuseeland ist uns 12h voraus, das ist zum einen ein viel zu großer Sprung und zum anderen haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir lieber vollkommen erholt in der neuen Zeitzone ankommen als bereits zu Hause unsere Bettgeh-Zeit durcheinander zu werfen.

Im Flieger
Während des Flugs trinken wir sehr viel Wasser. Ist der Körper hydriert, ist er leistungsfähiger und hinterher schneller bei der Anpassung. Alkohol lässt uns vielleicht im Flieger besser einschlafen, allerdings dehydriert er auch unseren Körper und ist daher kontraproduktiv für die Anpassung hinterher. Chemisch gesehen ist Alkohol zwar eine Lösung, aber nicht der richtige Weg um dem Jetlag davon zu fliegen. Gegen ein Glas Bier oder Wein ist aus unserer Sicht aber nichts einzuwenden, wenn man darauf achtet, gleichzeitig viel Wasser zu trinken.

Außerdem stehen wir während des Fluges regelmäßig auf, bewegen uns oder machen auch Dehnübungen. So bleibt der Körper geschmeidig und wir fühlen uns wohler.

Schlaf im Flieger
Wir schlafen im Flieger wenn wir müde sind. Haben wir keine Lust zu schlafen, dann schauen wir einen Film, lesen oder hören Musik oder ein Hörbuch. Hier nehmen wir komplett den Druck raus schlafen oder auch unbedingt wach bleiben zu müssen. So ist der Flug angenehmer und die zwei Langstreckenflüge nach Neuseeland von in Summe über 20h Flugzeit sind besser auszuhalten. In unserem Handgepäck sind immer eine Augenklappe und gute Kopfhörer, so fühlen wir uns schnell wohl und können am besten Schlafen.

Essen im Flieger
Beim Essen haben wir immer unterschiedliche Taktiken. Je nachdem um wie viel Uhr wir losfliegen, essen wir entweder noch zu Hause bzw. am Flughafen, oder dann im Flieger. Nehmen wir uns von zu Hause essen mit, was wir sehr häufig machen, achten wir darauf, dass es „schnittfest“ ist. Denn das ist das Kriterium, dass wir mit dem Essen durch die Sicherheitskontrolle kommen. Einmal hatten wir morgens ein Porridge in einer Dose dabei und wollten es ganz in Ruhe am Gate essen. Aber Porridge ist zu flüssig, also wurde es ein sehr schnelles Frühstück-im-Stehen vor der Sicherheitskontrolle. Das passiert uns nicht mehr. Außerdem nehmen wir uns immer eine Dose Nüsse und Äpfel (und dunkle Schokolade :-) ) mit ins Handgepäck. Manchmal haben wir bei 30h-Reisezeit einfach keine Lust mehr auf Fliegeressen und essen lieber Nüsse und Obst. Ein Tipp an alle Vegetarier: Bestellt euch euer Essen bei der Airline vor, denn das vegetarische Gericht ist meist schon nicht mehr wählbar, solltet ihr weiter hinten sitzen.

Wer nach Neuseeland fliegt, muss darauf achten, dass bei der Einreise keine Nahrungsmittel mehr im Handgepäck sind (und natürlich auch nicht im Koffer). Obst, Nüsse, Brot, das darf alles nicht mit eingeführt werden und würde eine saftige Geldstrafe von 400Dollar bedeuten.

In der neuen Zeitzone
Sobald das Flugzeug landet und wir den Boden im neuen Land mit den Füßen berühren, leben wir in dieser Zeitzone. In diesem Jahr war es so, dass wir früh am Morgen in Neuseeland gelandet sind. So lag noch ein ganzer Tag vor uns, an dem wir wach bleiben mussten. Und auch unseren Essensrhythmus passen wir direkt mit an. Frühstück gab es noch (zugegeben sehr früh um ca. 3 Uhr morgens neuseeländischer Zeit) im Flieger, und die nächste Mahlzeit war dann um 12Uhr ein Mittagessen. Da waren wir dann schon in unserer Unterkunft und konnten frisch kochen, was eine große Gaumenfreude im Vergleich zum Fliegeressen war.

Wir verbringen am Tag der Ankunft und auch an den folgenden Tagen möglichst viel Zeit im Tageslicht, denn das natürliche Licht hilft am besten, dass sich unser Biorhythmus an die neue Zeitzone anpasst.

Außerdem bewegen wir uns an dem Tag an dem wir landen noch mal. Je nachdem um wie viel Uhr wir ankommen, ist das entweder nur ein kurzer Spaziergang, eine Yoga-Session oder ein richtiger Dauerlauf. Den haben wir in diesem Jahr gemacht, denn wir waren ja schon vormittags in unserer Unterkunft. Durch die frische Luft und den Sauerstoff steckt man den Flug besser weg und man kann dann in der Nacht ruhiger schlafen, auch wenn sich beim Laufen die Beine schwer wie Blei anfühlen.

Schlaf
Einen Mittagsschlaf machen wir in intensiven Trainingsphasen täglich. Zuhause stellen wir uns keinen Wecker, da werden wir immer automatisch nach 20 bis max. 40min wieder wach. Nach einem Flug in eine andere Zeitzone stellen wir uns in den ersten Tagen immer einen Wecker, sodass wir nicht länger als 1h am Mittag schlafen. Damit hat unser Körper nicht das Gefühl, im Nachtschlaf zu sein, so wie es in Europa zu dieser Zeit wäre.

Außerdem achten wir darauf, dass wir nicht vor 21Uhr im Bett liegen. Auch wenn wir sehr müde von der Reise sind und die Nacht zuvor quasi gar nicht richtig geschlafen haben. Denn wenn wir um 19Uhr bereits schlafen würden, wäre um 3Uhr am Morgen bereits 8h-Schlafzeit rum. Dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir nachts wach liegen. Das Handy ist nachts im Flugmodus und bleibt es, auch wenn wir mal etwas länger wach liegen. Denn in der Nacht Neuseelands ist in Europa Tag und sonst kämen alle Nachrichten von Freunden und Familie herein geflattert, die uns zudem vom Schlafen abhalten würden.

Fazit
12h Zeitverschiebung sind definitiv eine Belastung für unseren ganzen Organismus und wir müssen ihm Zeit geben, sich daran anzupassen. Der menschliche Körper ist nicht zum schnellen Ortswechsel gemacht. Zu laufen oder mit dem Rad zu fahren, das ist ein Tempo, wo unser ganzer Organismus gut mitkommt. Beim Fahren mit dem Auto, dem Zug oder beim Fliegen ist unser Körper erst da und die Seele braucht ein bisschen länger. So ist zumindest unser Bild, wie wir uns das ganze vorstellen. Es hilft uns, dass wir auch die Geduld haben, uns Zeit zum Ankommen zu geben. 

Man muss dem Zeitzonenwechsel aber auch nicht zu viel Beachtung im Alltag geben. Einmal angekommen sagen wir uns einfach, dass wir nun zu 100% in der neuen Zeitzone leben. Mit dem ganzen Körper und auch mit dem Kopf. Nach 3 Tagen hatten wir das Gefühl, in der neuen Zeitzone angekommen zu sein. Beim Mittagsschlaf sind wir automatisch nach einer halben Stunde aufgewacht und wir waren abends um 20Uhr nicht schon todmüde. Die Trainingseinheiten wurden länger und intensiver und insgesamt haben wir uns besser gefühlt. Mitte Februar geht es wieder zurück nach Deutschland. Ein bisschen werden wir den langen Flug und die 12h Zeitverschiebung dann wohl auch wieder merken. Unser Biorhythmus wird ein bisschen verwirrt sein, doch wir sind gesund und können geduldig warten, bis wir wieder bei voller Energie sind. Denn „Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit reif ist.“

 

 

Scroll Down